Erbstollenrecht - Glück Auf ! BGVR Bergbau- und Grubenarchaeologischer Verein Ruhr e.V.

Erbstollenrecht

Oliver Glasmacher - Erbstollenrecht (17.03.2008)

Es entstehen immer wieder Mißverständisse über die Begriffserklärung „Erbstollen“. Im Rahmen des BEETPOTT 2005 habe ich meine Forschungsergebnisse zum Thema Erbstollenrecht referiert und möchte die Erkenntnisse noch einmal niederschreiben.

Nach Agricola unterscheidet man zwischen

  • Stollen ohne Besitzrechte  =  Freistollen
  • Stollen mit Besitzrechten   =  Erbstollen

Die ersten Gewinnungsversuche auf eine Lagerstätte gehen von zu Tage aus, in dem die Erze oder Kohlen einfach aufgelesen, später ausgegraben werden. Daraus entwickelt sich dann eine große Kuhle.

Nach einiger Zeit läuft Sie voll Wasser. Wahrscheinlich wird dann daneben eine neue Kuhle in der Lagerstätte angefangen.

Das Wort „Pütt“ kommt aus dem Lateinischen von Puteus = Brunnen. Das legt nahe, dass mit den Eimern auch Wasser gehaspelt wurde wie in einem Brunnen. Mit Ausschöpfen laesst sich das Wasser noch eine zeitlang beherrschen. Irgendwann sind die Wasserzuflüsse aber zu stark. Der Pütt säuft ab.

1604 ertranken 2 Tagelöhner in Dortmund-Schüren in einem solchen Pütt als sie eine Wasserader anhieben.

Man kann nun am Talhang einen Graben anlegen. Ein Graben der an der Stelle wo die Lagerstätte sich befindet endet. Diesen Graben nannte man bei Agricola „Rösche“ im Ruhrgebiet auch „Aakeldruft“ niederdeutsch für Wasserführung (nach Siegmund A. Wolf).

Durch den Graben fliesst dann das Grundwasser ab, entwässert die Umgebung des Ausbisses der Lagerstätte und legt so die Kuhlen trocken. Sollte das nicht reichen, hilft nur ein Wasserlösungsstollen. Dazu geht der Stöllner (derjenige der den Stollen bauen will) zum Bergamt und bittet darum das ihm das Stollenrecht verleihen wird. Er hat dann das Recht ,den Stollen außerhalb des eigenen Grubenfeldes anzufangen und vorzutreiben, bis er seine Grube erreicht hat und geniesst für diesen Stollen Schutz.

Es wird dann u.U. von außerhalb des Grubenfeldes, von einem günstigen Ansetzpunkt, z.B. ein nahegelegenes Bachtal ein Stollen herangetrieben um den Gang oder die Lagerstätte zu entwässern.

Zeichnung zum Altbergbau

Wo ein solcher Wasserlösungsstollen angelegt wird, um damit vielen anderen Gruben (u.U. neben der eigenen) die Wasserlösung zu bringen, spricht man von einem Erbstollen.

Erste Erwähnung eines Erbstollens ist von 1308. Der Erbstollen an dem gearbeitet wuerde, der einem Bergwerk Wasser und Luft nehmen soll, hat ein Jahr Abgabenfreiheit. Im Ruhrgebiet wird ein Erbstollen das erste Mal um 1517 in Sprockhövel erwähnt.

Ein Erbstollen hat besondere Rechte, die er nur per Verleihung bekommen kann.  Lediglich die Verleihung des Erbstollenrechtes macht einen Erbstollen aus.

Noch 1831 musste das Bergamt gegenüber der Gewerkschaft „Segen Gottes  Erbstollen“ klarstellen, das die Bennung Erbstollen im Bergwerksnamen keinen Anspruch auf die Erlangung des Erbstollenrechtes darstellt. Maßgebend ist die Aussicht auf Erlangung der Erbteufe.

Diese Erbteufe ist das Kernrecht des Erbstollens. Ein jeder Erbstollen kann einen vorhandenen alten Erbstollen "enterben" wenn er die "Erbteufe" von ca. 7 Lachter (ca. 14 Meter) gegenüber dem alten Erbstollen einbringt.  Er legt den alten Erbstollen damit trocken, da das Wasser nun durch den tieferen Stollen abfliest. Auch Wasserkünste können den Stollen enterben, wenn Sie das Wasser mindestens 7 Lachter unter dem alten Stollen heben können.

Darüber hinaus hat die Gewerkschaft des Erbstollens das Recht, den Erbstollen durch freie und fremde Grubenfelder zu treiben. Sie darf fremde Schächte benutzen.

Für die hohen Kosten des Stollens hat die Gewerkschaft des Erbstollens der sogenannte Erbstöllner das Recht, von allen durch den Erbstollen gelösten Zechen den 9. Teil der Förderung zu erhalten.

Das Recht des Erbstollens kann wie schon gesagt durch einen anderen mindestens 7 Lachter tieferen Stollen verloren gehen, aber auch, wenn der Stollen nicht kontinuierlich weitergetrieben wird. Dieser Pflicht kann er nur durch "Verstufung" entgehen. Dann wird festgehalten, wo der Erbstollen aufhört.

Dann könnte eine andere Gewerkschaft den Erbstollen dort fortsetzen. Beispiele:

· Schlebuscher Erbstollen / Dreckbänker Erbstollen

· St. Matthias Erbstollen / Egmont Erbstollen.

Foto aus dem Schlebuscher Erbstollen

In beiden Fällen hat die alte Gewerkschaft den Erbstollen ständig zu unterhalten, also regelmäßig zu säubern damit das Wasser ohne Hindernis abfliessen kann.

Durch die Einführung der Dampfmaschinen zur Wasserhaltung verloren die Erbstollen nach und nach Ihre Bedeutung. Bis heute entwässern jedoch die großen Erbstollen, wie der Schlebuscher Erbstollen, das Gebirge, in dem sie angelegt wurden.

Literatur:

  • Georg Agricola: De Re Metallica Libri XII. Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen, Viertes Buch 1556
  • Sammlung des baierischen Bergrechts : mit einer Einleitung in die baierische Bergrechtsgeschichte / von Johann Georg Lori. - München : Richter,
  • Diethelm Düsterloh: Beiträge zur Kulturgeographie des Niederbergisch-Märkischen Hügellandes, 1967
  • Haack / Knepper / Oberste Brink: Die Steinkohlenbergwerke der Vereinigten Stahlwerke A.-G. Die Schachtanlage Dannenbaum in Bochum-Laer, o. O. 1937
  • Siegmund A. Wolf: Aghetucht, Aakeldruft und Verwandtes, Berlin
  • Sebastian SPAN (1673): Sechshundert Berg-Urthel , Schied und Weisunge, bey vorgefallenen Bergwercks Differentien unterschiedener Orten, so Wol informatoriè als ad Acta gesprochen, neben Bergmännischen Bericht bey jedwedern Titul und Materi.- Wolffenbüttel

Beitrag wird nochmal überarbeite (2012)

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