Pinge, Tagesbruch, Bergschaden? - Glück Auf ! BGVR Bergbau- und Grubenarchaeologischer Verein Ruhr e.V.

Pinge, Tagesbruch, Bergschaden?

Immer öfter in der neuen Zeit machen die sogenannten Tagesbrüche und Bergschäden auf den alten Bergbau aufmerksam.  Die Angst der Bewohner wird durch diese Meldungen in der Lokalpresse immer wieder aufgekocht und es wird aus Unwissenheit die Verfüllung aller Hohlräume gefordert.

Aber nicht alle Bergschäden haben die gleiche Ursache.   Werden heute einige Abbaubereiche kontrolliert durch Nachbrechen verfüllt oder gar mit Haldenmaterial zugeblasen so wurden auch in der Vergangenheit viele Bergwerke ordnungsgemäß verfüllt oder so abgesichert, dass allenfalls noch ein alter Schacht einbrechen kann.

Das wirkliche Problem im südlichen Ruhrgebiet, also da wo die Kohlenflöz schon im Mittelalter an der Oberfläche gewonnen wurden, sind die ganzen nicht angemeldeten ABbaubetriebe nach dem 2.Weltkrieg, der sogenannte Nachlesebergbau. Viele dieser Betriebe liefen unter dem Namen Kleinzeche, Kleinstbetrieb oder auch Stollen, obwohl nur mit einigen Abhauen, Schächten der Sicherheitspfeiler an der Tagesoberfläche gewonnen wurde. Die Kohle ging Anfangs direkt in die Gemeinde. Nach und nach versorgten sich auch Kommunen ausserhalb des Ruhrgebiets mit Abbaugenehmigungen um an den begehrten Brennstoff zu kommen.  Zuletzt 1955-1967 wurden diese Kleinzechen von Unternehmern betrieben. Die Kohlen gingen dann auch in die Industrie und in die Kohlekraftwerke.  1967 mit der Gründung der Ruhrkohle AG, wurden fast alle Kleinstbetriebe geschlossen. Lediglich die Kleinzeche Egbert förderte noch bis 1975.

Bergschaden im Dortmunder Westen

Bergschaden im Dortmunder Westen

 

Eingefallenes Abhauen

Tagesbruch durch ein abgegangenes Abhauen einer Kleinstzeche in Sprockhövel

 

Tagesbruch am alten Förderschacht

Tagesbruch im Bereich eines Förderschachtes einer größeren Kleinzeche in Wetter-Esborn.

Tagesbrüche auf wildem Abbau

Tagesbruch in Witten - Vormholz. 

Bach verschwindet in Tagesbruch

Bach versickert in Tagesbruch in einem Siepen in Wetter-Wengern.

 

Die Verfüllung der oberflächenahen Hohlräume besorgt die Behörde in Zusammenarbeit mit spezialisierten Baufirmen.

Doch nicht alle Hohlräume können ohne Planung der Maßnahmen verfüllt werden. Viele alte Stollen erfüllen noch heute Ihre wichtige Entwässerungsfunktion.   Eine ungeplante Verfüllung würde dafür sorgen, dass der Beton Entwässerungsstrecken verschließt und das Wasser an anderer Stelle wieder austritt.

Bohrgerät zur Erkundung von Hohlräumen

Erkundung von Hohlräumen in Bochum-Langendreer

Jedoch nicht jede Kuhle im Wald ist ein Tagesbruch der durch Nachlesebergbau entstanden ist.   Viele alte Pingen sind aus der ältesten Abbauperiode des Ruhrgebietes.

Bekanntlich wurde 1302 das erste Mal der Kohlenbergbau in Dortmund erwähnt. Zu dieser Zeit bis zur Erwähnung der ersten Stollen wurde die Kohle direkt an der Oberfläche gegraben.

Später entstanden Luftschächte auf aufwändigen Stollenbauwerken wie z.B. der Schlehbuscher Erbstollen.  Auch diese Schächte haben sich samt ihrer Halde an vielen Stellen im Gelände erhalten.

Halde am Lichtloch eines Erbstollens

Schachtpinge eines Lichtloch auf dem tiefen Stock & Scherenberger Stollen

Ebenso die Förderschächte, durch welche die Kohle aus dem Stollenbergbau bzw. Tiefbau an die Oberfläche gefördert wurde.

 

Schachthalde am Förderschacht

Ringhalde des Förderschachtes der Zeche Schwarzes Pferd.

Nach Diethelm Düsterlohs Werk "Beiträge zur Kulturgeographie des Niederbergisch-Märkischen Hügellandes" handelt es sich bei dem Begriff "PINGE" oder auch "BINGE" um eine Bezeichnung für sämtliche Kuhlen, Löcher und Einsenkungen die auf oberflächennahen Bergbau zurückzuführen sind.   Durch Einbruch von Hohlräumen unter der Oberfläche oder direkt an der Oberfläche entstehen diese Bergschäden.  Man kann dann noch unterscheiden, ob es sich um eine Kerbpinge, Rundpinge, Grabenpinge oder Schachtpinge handelt.  Herr Düsterloh hat sich intensiv mit dem Thema befasst und viele Pingen in seinen Plänen nach diesem Schema kartiert.   Diese Definition betrifft nun aber vorallem unseren Ruhrbergbau.  Regionale Besonderheiten vorbehalten.

 

 

 

 

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